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Die Jazzmusik im Fokus

Spielen, Musik schreiben, unterrichten – der Pianist, Komponist und langjähriger Leiter der Jazzabteilung im Tiroler Landeskonservatorium Stephan Costa macht sich von jeher für den Jazz stark. Mit Kolleg*innen und Studierenden setzt er immer wieder außergewöhnliche Projekte um, zurzeit das After-Work-Format Jazz & Apéro und das Jazzorchester-Konzert Miles & Gil.

Man hört es vielleicht nicht auf den ersten Ton, aber in Tirol gibt es eine starke Affinität zum Jazz. In den 1950er- und 1960er-Jahren war er ein Gegenentwurf zur konservativen Enge des Landes. Erste Lokale wie der Jazzclub in der Innsbrucker Höttinger Gasse, das Studio 12 und die Eremitage in Schwaz entstanden, in den 1980er-Jahren dann das Treibhaus und der Bogen 13 in Innsbruck. Dort drehten sich die LPs von Miles Davis auf dem Plattenteller oder auch „Live at Sweet Basil“ von Gil Evans mit dem Monday Night Orchestra. Als Bühne für Liveauftritte fungierte ein Kellerraum oder ein paar freigeräumte Quadratmeter im Lokal. Nur: Wer Jazz spielen wollte, musste ihn sich selbst beibringen oder anderswo studieren.

Von Anfang an: Jazz

Wenn Stephan Costa davon spricht, dass er den Bereich Jazz und Improvisation am Tiroler Landeskonservatorium von der Stunde Null an aufgebaut hat, dann spielt er genau darauf an. Ausgebildet in Graz und Linz, nahm er 1991 in Innsbruck einen Lehrauftrag für Jazz und Klavier an, gründete das Schwerpunktfach Jazz im Rahmen der Instrumental- und Gesangspädagogik (IGP) und 1997 einen Lehrgang. Rund zwei Jahrzehnte lang war die Jazzabteilung in Schloss Mentlberg beheimatet, 2018 übersiedelte sie ins Haus der Musik Innsbruck. Vor kurzem übergab Costa die Leitung an Martin Ohrwalder, weil er selbst „sein Berufsziel als Pädagoge erreicht“ hat: Mit der Gründung des Studiengangs IGP Jazz/Pop am Mozarteum ist die Ausbildung seit dem Wintersemester 2021/22 akademisch, die nächste Anmeldungsphase zum Studium und zum Lehrgang beginnt im Frühling.

„Es ist ganz unglaublich, dass ein junger Mensch
hier in diesem Ambiente in Betrachtung der Hofburg
auf einem Steinway-Flügel üben kann – ganz gleich
ob es eine Mozartsonate ist oder ein Jazzstück.“

Stephan Costa

After Work zum Jazzkonzert

Mit der Konzertreihe Jazz & Apéro bekommen die Studierenden zudem eine „wirkliche Bühne“. Zuhörer*innen finden sich einmal im Monat nach der Arbeit ein, trinken ein Glas Wein, reden miteinander und hören Live-Jazz. „Dabei geht es immer um Kommunikation, um Gemeinsamkeit und eine Sensibilität gegenüber dem, was junge Menschen tun“, betont Costa. Schon im ersten Jahr waren die Konzerte fast immer ausverkauft. Derzeit sind Costa und Martin Ohrwalder mit den Vorarbeiten zu einem anderen musikalischen Ereignis beschäftigt, dem Konzert „Miles & Gil“ mit dem Kons/Moz Jazz Orchester im Juni.

Miles & Gil

Mit Miles & Gil erweisen sie zwei Musikern die Reverenz, die gemeinsam Jazzgeschichte geschrieben haben. Von 1957 bis 1964 veröffentlichten der Trompeter Miles Davis und der Arrangeur Gil Evans vier Alben: „Miles Ahead“, „Porgy an Bess“ nach der gleichnamigen Oper von George Gershwin, „Sketches of Spain“ und „Quiet Nights“. Manche der Arrangements sind für traditionelle Bigband geschrieben, in anderen setzte Gil Evans jazzuntypische Instrumente wie Harfe und Fagott ein. „Ich glaube, ihm war Tradition egal“, meint Costa dazu und verweist auf das „Concierto de Aranjuez“ von Joaquín Rodrigo. „Bei diesem damals erst zehn Jahre alten Werk das Soloinstrument, die Gitarre, herauszunehmen und es durch eine Trompete zu ersetzen, das halte ich für einen Geniestreich.“

In jedem Fall wird das Konzert für viele Innsbrucker Jazzfans eine Reminiszenz an den Cool Jazz sein und eine Erinnerung an die Tiroler Jazzclubs, in denen der Orchestersound von Miles Davis und Gil Evans aus den Lautsprechern schallte und Stephan Costa mit seiner damaligen Band Anaconga live auf der Bühne stand.

„Im Jazz geht es immer um Kommunikation.“

Stephan Costa

Zur Person

Stephan Costa studierte Klavier Jazz, Komposition und Arrangement an der Musikhochschule Graz und der Bruckner-Privatuniversität in Linz. Von 1991 bis 2021 leitete er den Bereich Jazz und improvisierte Musik am Tiroler Landeskonservatorium und ist seit vielen Jahren Lehrer für Jazzkomposition und Arrangement am Mozarteum Innsbruck.

Als Pianist tritt er in unterschiedlichen Besetzungen vom Soloprogramm bis zur Big Band auf und arbeitete als solcher u. a. mit Randy Brecker, Maria Schneider und Ray Anderson zusammen. Seine Kompositionen umfassen Werke für kleine und große Besetzungen, darunter zahlreiche Theatermusiken für das Tiroler Landestheater. 2020 wirkte er als Korrepetitor/Pianist am Sommertheater „Die Dreigroschenoper“ mit.

Text: Esther Pirchner

MILES & GIL

The Orchestral Work

DO 09. Juni 2022
Beginn 20.00 . Großer Saal

Infos & Karten

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