Mit Jubiläen ist es so eine Sache. Braucht man sie wirklich, um jemanden zu feiern? Bei uns gab es bislang noch keine Saison, in der wir nichts von Beethoven aufgeführt hätten. Aber unerheblich, wie unsere Antwort auf oben gestellte Frage auch lauten mag, Sie werden in dieser Spielzeit jedenfalls mehr Beethoven in unseren Konzertreihen hören als sonst.
Damit wollen wir vor allem eines bewirken: bewusst machen, wie unfassbar aktuell diese Musik auch heute noch ist. Seine symphonischen Werke übersteigen die akustischen Möglichkeiten des Großen Saales, die 9. Sinfonie spielen wir trotzdem, nämlich in einer Fassung für zwei Klaviere von Franz Liszt.
Darüber hinaus begeben wir uns auf einen Streifzug durch Beethovens Kammermusik. Ein großes Variationswerk dürfte da eigentlich nicht fehlen, tut es aber – und doch wieder nicht. Statt eines von Beethoven stellen wir nämlich Frederic Rzewskis Klaviervariationen über ein chilenisches Protestlied – ein Werk, das als Meilenstein der Klavierliteratur gilt – in den Mittelpunkt eines Konzerts, brillant gespielt, gepfiffen und gesungen von Michael Schöch. Im ersten Teil des Konzerts werden dieses und auch andere Lieder des Widerstands vom Chor Stimmsalz auf die Bühne gebracht.
In den Academie Konzerten widmen wir uns mit bekannten Szenevertreter:innen der historischen Aufführungspraxis. Versäumen Sie keinesfalls das Weihnachtskonzert mit Elisa Citterio und dem TSOI, in dem gleich zwei dezidierte «Weihnachtskonzerte» italienischer Barockkomponisten gespielt werden. Zwei für eins, sozusagen.
Der aktuelle Busoni Preisträger macht Ihnen erneut seine Aufwartung und zeigt, dass der Bozener Klavierwettbewerb zu den großen in dieser Welt gehört. Beethoven darf in diesem Klavierabend nicht fehlen, obwohl Schumann im Mittelpunkt steht, dessen Jubiläum wir aber erst in 30 Jahren würdig begehen (bitte vormerken!).
In unseren Jazzkonzerten gibt es ein Wiedersehen mit dem großartigen Fred Hersch, zu hören wird es aber auch eine Kostbarkeit aus Tirol geben: «Ein halbes Doppelalbum» von Werner Pirchner. Und schlussendlich, Wolfgang Amadé ist ebenso vertreten, aber lesen Sie selbst und entdecken Sie im Jahresprogramm 26/27, auf welche Werke Sie sich freuen dürfen.
Wolfgang Laubichler
Direktor Haus der Musik Innsbruck