Der Geiger Erich Höbarth (*1956) ist Konzertmeister des Concentus Musicus und arbeitete als solcher viele Jahre mit dessen Leiter Nikolaus Harnoncourt zusammen. Sein Wissen und seine Erfahrung teilt er im Oktober bei einem Konzert mit dem Orchester des Tiroler Landeskonservatoriums, das er von der Geige aus leitet.
Über Nikolaus Harnoncourt haben Sie gesagt: «Es war ein großes Privileg, aus nächster Nähe von ihm zu lernen.» Welche Bedeutung hat für Sie der direkte Austausch mit anderen Musikern, das Lernen voneinander?
Erich Höbarth: Man hört ja nie auf zu lernen. Man muss immer offen sein für neue Dinge, und das ist besonders dann wunderbar, wenn es ohne Zwang geschieht und mit etwas zusammentrifft, das man gerne tut – wie bei mir mit der Musik. Nikolaus Harnoncourt, mein Lehrer Sándor Végh und der Pianist András Schiff waren in dieser Hinsicht unglaublich wichtig für mich. Von ihnen zu lernen, hat mich zugleich begeistert und fasziniert – und wenn man über das, was man lernt, glücklich ist, lernt man am besten. Mit der Zeit versucht man, das Neue zu verinnerlichen, und möchte dieses Wissen auch weitergeben. Deshalb mache ich auch solche Dinge wie das Konzert mit dem Orchester des Tiroler Landeskonservatoriums.
Die Proben mit Nikolaus waren ganz besonders interessant, weil er die Vorstellung von Musik und ihren Inhalten durch Bilder vermittelt hat. Musik besteht ja aus Inhalten, es geht um Emotion und Drama.
Als Konzertmeister sind sie das Bindeglied zwischen Dirigent und Orchester. Das Konzert in Innsbruck leiten sie von der Geige aus, sind also Dirigent und Musiker in einem. Was unterscheidet oder verbindet diese beiden Rollen?
Erich Höbarth: Auch als Konzertmeister muss man in der Art, wie man spielt, vieles weitergeben, muss gewisse Impulse geben, damit die anderen Musiker im Orchester sofort wissen, ob die Musik gespannt ist oder eher ruhig dahinfließt. Man kann das mit dem Instrument machen, wodurch die Übertragung sehr direkt ist, aber man sitzt nicht erhöht und die anderen – besonders die Bläser – sind sehr weit weg.
Ein Orchester von der Geige aus zu leiten, ist meiner Meinung nach nur bis zu einer gewissen Orchestergröße möglich. Darum war ich – nachdem Beethoven für das Konzert gewünscht war – anfangs ein wenig skeptisch. Die Werke, die ich ausgesucht habe, sind in diesem Kontext aber machbar: die Coriolan-Ouvertüre und die Romanze für Violine und Orchester. Das zentrale Stück im Programm ist Mozarts Klavierkonzert c-Moll. Beethoven hat es unglaublich geschätzt, und diese Beziehung ist für mich sehr interessant.
Auch Joseph Haydn steht in enger Verbindung mit Mozart und Beethoven. Von ihm haben Sie noch eine Symphonie ausgewählt …
Erich Höbarth: Ich wollte eine große Symphonie machen, und da die Coriolan-Ouvertüre und das Klavierkonzert eher schwere Stücke sind, habe ich nach etwas Leichterem gesucht. Neben der Romanze ist das die Haydn-Symphonie. Sie ist die erste seiner sogenannten späten Symphonien und in ihrer ganzen Textur ein bisschen leichter.
Worin liegen die Herausforderungen, mit einem Studierendenorchester zu arbeiten?
Erich Höbarth: Die Schwierigkeit bei solchen Unternehmungen ist, dass man bei den Proben wirklich alle Leute braucht, die beteiligt sind. Es dürfen nicht plötzlich drei Bläser ausfallen. Aber ich habe den Eindruck, es ist alles sehr gut organisiert und die Lehrer:innen am Konservatorium bereiten die Musiker:innen gut vor. Vor allem, wenn technisch vorgearbeitet wird, ist das ideal. Ich selbst bin dann für sechs Proben da.
Wie arbeiten Sie in diesen Proben mit den Musiker:innen?
Erich Höbarth: Ich lasse sie zuerst einmal alles durchspielen, dann merkt man schon ungefähr, wo die Hauptprobleme liegen. Je nachdem arbeitet man mit einer Gruppe intensiver, da muss man einfach flexibel reagieren.
Für die Studierenden ist es eine seltene Gelegenheit, diese vier Werke mit Ihnen zu erarbeiten und damit auch mit Nikolaus Harnoncourts musikalischem Universum in Kontakt zu kommen.
Erich Höbarth: Ich glaube, dass es für die, die mitmachen, interessant ist und dass es ihrem Studium eine andere Dimension gibt – eine, die wichtig ist und die sie auch zu schätzen wissen.
TEXT Esther Pirchner
ACADEMIE KONZERT: KonsAcademie
Erich Höbarth und das Orchester des Tiroler Landeskonservatoriums
13.10.26 / 19.30 UHR
Haus der Musik Innsbruck, Großer Saal
PROGRAMM
Ludwig van Beethoven
Ouverture c-Moll zu «Coriolan» op. 62
Wolfgang Amadé Mozart
Konzert für Klavier und Orchester c-Moll K 491
Ludwig van Beethoven
Romanze für Violine und Orchester G-Dur op. 40
Joseph Haydn
Sinfonie G-Dur Hob. I/92 «Oxford»