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Entdecker im Notentext

Zwei Komponisten, vier Streichquartette, vier Musiker: Das Stadler Quartett rund um den Geiger Frank Stadler verknüpft Verbindungen zwischen Werken von Sergej Prokofjew und Karl Amadeus Hartmann aus den 1930er- und 1940er-Jahren. 

Das Stadler Quartett gehört zu jenen Ensembles, die die entferntesten Gefilde des Musizierens erforschen und zugleich das klassische Repertoire mit Virtuosität und Hingabe interpretieren. Obwohl auch in größeren Ensembles tätig, gaben die vier Musiker dem Quartettspiel meist den Vorrang. «Dichter als im Streichquartett kann man nicht schreiben», sagt Frank Stadler über die Faszination dieser Gattung, «das ist schon ein unglaublicher Klang.»

Die Ursprünge in den 1990er-Jahren schildert er als intensive Zeit des Sondierens und Experimentierens. Damals trafen sich die Musiker einerseits, um «ohne Stress das Repertoire zu probieren», und erschlossen sich andererseits unbekannte musikalische Welten. Eine «gewisse Affinität zur Mathematik», gepaart mit «einem Entdeckergeist für außereuropäische Musik» öffnete ihnen den Zugang zur mikrotonalen Musik, zu jenen Tönen also, die nicht auf der Klaviertastatur zu finden sind. Zunächst war das Quartett denn auch auf die Aufführung mikrotonaler bzw. Neuer Musik spezialisiert, brachte Werke wie Karlheinz Stockhausens Helikopter-Streichquartett auf die Bühne und spielte Helmut Lachenmanns drei «im Randbereich des Geräuschs» angesiedelte Quartette auf DVD ein. In den vergangenen Jahren rückte vermehrt die Musik des polnisch-russischen Komponisten Mieczysław Weinberg in den Fokus, «eine Musik, die lange Zeit wenig gespielt wurde», so Stadler.

DEMOKRATIE AUF 16 SAITEN

Die Zeitgenossen Weinberg und Prokofjew einander gegenüberzustellen, lag nahe, für das Haus der Musik Innsbruck wünschte sich Wolfgang Laubichler dennoch eine andere Paarung. Er überantwortete den vier Streichern die Aufführung zweier – wenn auch kleiner – Gesamtwerke in einem Konzert. Sie spielen die jeweils zwei Streichquartette von Sergej Prokofjew und Karl Amadeus Hartmann im HDM, Werke, die etwa zeitgleich in den 1930er- und 1940er-Jahren entstanden.

Erarbeiten werden sich die Musiker diese vier Werke wie immer aus dem Notentext und aus Schriften der Komponisten, ehe es an die gemeinsame Probenarbeit geht. Man müsse dabei nicht Angst haben, dass es zu wenige Meinungen gibt, meint Stadler mit einem Augenzwinkern. Doch «je intensiver der Streit, desto besser ist das, was am Ende herauskommt. Das ist dann eine schöne demokratische Übung» – und zum Nutzen nicht nur für die Interpreten selbst, sondern auch für die Zuhörer:innen.

HDM IN CONCERT: STADLER QUARTETT

Alle Streichquartette von Prokofjew und Hartmann

ERSATZTERMIN:
SO / 7.4.24
Beginn 20.00 . Großer Saal

INFOS & KARTEN

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